Amaranth - das Korn der Inkas neu entdeckt

Ein Hauptnahrungsmittel der Inkas und Azteken wird im 21. Jahrhundert neu entdeckt. Das Pseudo-Getreide Amaranth stellt hinsichtlich der wertbestimmenden Inhaltsstoffe selbst Vollkornvarianten heimischer Getreidesorten in den Schatten. Die unscheinbaren Körner punkten vor allem bei jenen Inhaltsstoffen, die in der Regel zu selten österreichische Münder passieren. 1/3 mehr Ballaststoffe und Zink im Vergleich zu Vollkornweizen, knapp die dreifache Menge Eisen, sowie außerordentliche Magnesium- und Calciumgehalte machen Amaranth als wertvolle Bereicherung des abwechslungsreichen, nährstoffreichen Speiseplans empfehlenswert.

Amaranth zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Bereits vor Jahrtausenden diente es in Südamerika als Grundnahrungsmittel sowie als Opfergabe für Götter. Lange Zeit galt die Pflanze des Amaranth als heilig. Inkas und Azteken glaubten in ihr die Quelle großer Kraft gefunden zu haben. Dies war den spanischen Eroberern Grund genug, den Anbau von Amaranth zu verbieten.

Der Name der senfkorngroßen Körner stammt aus dem Griechischen – Amaranthus bedeutet "unsterblich" bzw. "nicht welkend".

Südamerika goes Burgenland

Heute wird der Anbau der anspruchlosen, robusten Pflanze wieder gefördert. Dies gilt vor allem für die unwirtschaftlichen Regionen der bolivianischen Anden und die der wüstenähnlichen Küstenstreifen Perus. Anbau, Export und auch der nationale Verbrauch sind in diesen und anderen Ländern Südamerikas und Asiens in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Auch in Österreich gibt es einige Bauern, die Amaranth anpflanzen. Im mittleren Burgenland finden sich bereits einige Felder mit den meist rot blühenden Pflanzen.

Botanisch zählt Amaranth nicht wie andere Brot-Getreidearten zu den Gräsern, sondern zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und wird daher als Pseudo-Getreide oder Körnerfrucht bezeichnet. In vielen Klimaregionen der Welt nutzt man Amaranth aber auch als Blattgemüse.

Dem Weizen weit überlegen

Im Vergleich zu einheimischen Getreidesorten weisen die Körner des Amaranth einen höheren Eiweißgehalt sowie eine besonders hohe biologische Wertigkeit auf. Die Aminosäure (=Eiweißbaustein) Lysin, welche bei anderen Getreidearten in sehr kleinen Mengen vorkommt und für die geringere Proteinqualität im Vergleich zu Milch- oder Fleischeiweiß verantwortlich ist, kommt im Amaranth reichlich vor. Damit stellt das Korn der Inkas vor allem für Vegetarier eine wertvolle Bereicherung des Essalltages dar. Besonders erwähnenswert sind auch der hohe Calcium-, Zink-, Magnesium und Eisengehalt der kleinen Körner (siehe Tabelle). Außergewöhnlich hoch ist auch der Ballaststoffanteil. In der traditionell ballaststoffarmen Kost von Frau und Herrn Österreicher könnte Amaranth einen wertvollen Beitrag zur verbesserten Versorgung mit diesen unverdaulichen Nahrungsbestandteilen liefern.

 

Bereicherung (nicht nur) für den glutenfreien Speiseplan

Amaranthmehl eignet sich nur begrenzt zum Backen, weil das nötige Klebereiweiß für das Backvolumen nicht enthalten ist. Eine Beimischung von Amaranth zu herkömmlichen Brotmehlen bietet jedoch eine wertvolle Ergänzung zur ernährungsphysiologischen Qualität von Brot.

Das Fehlen von Klebereiweiß macht das Inkakorn zugleich glutenfrei und bietet deshalb Personen mit Zöliakie eine gute Getreidealternative. Auch für Personen mit Neurodermitis hat sich Amaranth als Weizenersatz bewährt.

 

Vielseitig im Geschmack

Die Körner des Amaranth sind vielseitig verwendbar und in Reformhäusern sowie bei manchen Bio-Bauern erhältlich. Beim Kochen entfalten die Amaranth-Körner ihren typisch nussigen Geruch. Viele verschiedene Speisen lassen sich mit den Körnern einfach und schnell zubereiten, beispielsweise Suppen, Gemüsepfannen, Aufläufe und Süßspeisen. Die Körner können auch geschrotet oder gemahlen werden.

 

Inhaltsstoffe von Amaranth im Vergleich zu Weizen

 

in 100g

Weizen

(ganzes Korn)

in 100g

Amaranth

100g Amaranth deckt von der empfohlenen Tageszufuhr für einen Erwachsenen

kcal / kJ

308 / 1287

365 / 1526

 
Fett

2,0g

8,8g

 
Eiweiß

11,4g

14,6g

 
Kohlenhydrate

61g

56,8g

 
Ballaststoffe

10,4g

15g

50%

Calcium

44mg

214mg

21,4%

Magnesium

128mg

308mg

88-103%

Kalium

381mg

484mg

24%

Eisen

3,3mg

9mg

60-90%

Zink

2,7mg

3,7mg

37-53%

Vit. B1

0,46mg

0,8mg

67-80%

Vit B2

0,11mg

0,19mg

14-16%

Quellen: GU Nährwert/Kalorientabelle 98/99; USDA Nutrient Database, Agricultural Research Service 2000

 

Autorin: Mag. Sabine Bisovsky, Tel/Fax: 01/310 74 90, sabine.bisovsky@chello.at